Arbeitnehmerentsendung (4)

von Peter Scheller (Kommentare: 0)

In vorangegangenen Artikeln haben wir insbesondere die lohnsteuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Konsequenzen der Entsendung eines Mitarbeiters ins Ausland dargestellt. In diesem Beitrag sollen die steuerlichen und bilanziellen Themen beleuchten, die Unternehmen selbst betreffen.

Grundsätzlich ergeben sich sowohl auf Seiten des entsendenden wie aufnehmenden Unternehmens steuerliche wie bilanzielle Wirkungen.

  • Es ist zu eruieren, wo Personalaufwendungen steuerlich erfasst werden müssen. Das ist nicht immer einfach zu beurteilen, insbesondere, wenn das Arbeitsverhältnis beim entsendenden Unternehmen nicht aufgegeben sondern nur ruhend gestellt wird und gleichzeitig ein neues aktives Arbeitsverhältnis mit dem aufnehmenden Unternehmen begründet wird. Die möglichen Probleme sind im Beitrag es Verfassers Mitarbeiterentsendung in Niedriglohnländer dargestellt.
  • Besondere Bedeutung haben Zahlungen nach der Entsendung, die ganz oder teilweise für Zeiträume vor der Entsendung gezahlt werden. Dies sind beispielsweise Tantiemen, Gratifikationen, Ausgleich für nicht genommenen Urlaub oder Umzugsvergütungen. Und auch andere geldwerte Vorteile wie beispielsweise die Übertragung von Aktien im Rahmen von Mitarbeiterbeteiligungsmodellen (Stock Options Programme). Hier kann es ohne weiteres sein, dass entsprechende Vergütungen steuerlich nicht oder nicht vollständig dem Unternehmen zuzuordnen sind, die sie auszahlen.
  • Sofern Personalkosten weiterbelastet werden, sind regelmäßig die Verrechnungspreisbestimmungen sowie die Dokumentationsanforderungen beider Staaten zu beachten. Beispiele sind weiter unten dargestellt.
  • Natürlich stellen sich auch bilanzielle Fragen. So sind die Voraussetzungen für die Bildung von Rückstellungen und deren steuerliche Anerkennung schon in den europäischen Staaten sehr unterschiedlich. Dies gilt beispielsweise für Tantieme-, Urlaubs- oder Überstundendrückstellungen.

Hinweise:

(1) Sofern die inländische Muttergesellschaft eigene Aufwendungen im Umlageverfahren auf ausländische Unternehmen umlegt (konzerninterne Umlageverträge), sollten die Kalkulationsgrundlagen klar nachvollziehbar dokumentiert werden. Andernfalls könnten in- oder ausländische Finanzverwaltungen je nach Interessenlage bezweifeln, ob und ggf. in welcher Höhe eine ausländische Tochtergesellschaft die Vergütung für einen im Ausland tätigen Arbeitnehmer tatsächlich getragen hat.

Gleiches gilt, wenn ein entsandter Mitarbeiter in einer ausländischen Niederlassung tätig wird.

Grundsätzlich stellt sich die Frage der Angemessenheit von Verrechnungspreisen für alle weiterbelasteten Aufwendungen. Dies gilt beispielsweise auch für weiterbelastete Gehaltsaufwendungen eines in Deutschland ansässigen und tätigen Mitarbeiters für Tätigkeiten, die der ausländischen Tochtergesellschaft zugutekommen. Es ist beispielsweise durchaus denkbar, dass ein in Deutschland tätiger Manager geschäftsführend oder anderweitig für ein ausländisches Konzernunternehmen im Inland tätig wird. Gerade in diesen Fällen kommt der Verrechnungspreisdokumentation in Deutschland und im Ausland besondere Bedeutung zu.

(2) Problematisch kann auch sein, wenn eine inländische Muttergesellschaft ihrer Auslandstochter keine Gehaltsbestandteile belastet, die dieser ausländischen Gesellschaft wirtschaftlich aber eindeutig zuzurechnen sind. Sofern die Muttergesellschaft von der Auslandstochter keine anderen (kompensatorischen) Vorteile wie beispielsweise einen verbilligten Waren- oder Dienstleistungsbezug erhält, könnte die deutsche Finanzverwaltung die betriebliche Veranlassung der Aufwendungen im Inland verneinen. Im Ergebnis wären dann die der ausländischen Tochtergesellschaft wirtschaftlich zuzurechnenden Personalaufwendungen in Deutschland nicht abzugsfähig.

(3) Bei der Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland ist immer das dortige Gehaltsniveau zu beachten. Wenn das ausländische Gehaltsniveau deutlich unter dem inländischen Gehaltsniveau liegt, könnte eine Weiterberechnung des auf die Tätigkeit im Ausland entfallenden Inlandsgehalts dazu führen, dass die ausländische Finanzbehörde die Weiterberechnung dem Grunde, aber nicht der Höhe nach anerkennt. Ist beispielsweise das Gehalt eines Managers im Inland deutlich höher als ein im Ausland übliches Gehalt, könnte die Finanzverwaltung das weiterberechnete (anteilige) Managementgehalt mit einem entsprechenden ortsüblichen Managementgehalt vergleichen und den überschießenden Teil nicht zum Abzug als Betriebsausgaben zulassen.

(4) Ein häufig übersehendes Problem ist, dass ein über eine längere Zeit in das Ausland entsandter Mitarbeiter eine Betriebsstätte oder eine so genannte Vertreterbetriebsstätte im Ausland begründen können. Bei kurzfristigen Entsendungen ist dies aber regelmäßig kein Problem. Als Faustformel für eine kurzfristige Entsendung gilt eine jährliche Aufenthaltszeit von weniger als 60 Tagen.

(5) Ein ebenso häufig übersehenes Problem kann entstehen, wenn eine ausländische Tochtergesellschaft ausschließlich einen oder mehrere in Deutschland ansässige Geschäftsführer haben, die alle überwiegend in Deutschland tätig sind. Hier könnte das Finanzamt argumentieren, dass der Ort der tatsächlichen Geschäftsleitung der ausländischen Gesellschaft im Inland liegt. Dies würde bedeuten, dass die ausländische Gesellschaft im Inland unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig würde. Es hätte in Deutschland sämtliche steuerliche Pflichten zu erfüllen. Zumindest ein Teil des Einkommens der ausländischen Gesellschaft würde in Deutschland zu besteuern sein.

In der Praxis wird es in einem solchen Fall außerordentlich schwer fallen, nachzuweisen, dass alle wesentlichen Geschäftsführungsmaßnahmen am ausländischen Sitz der Tochtergesellschaft durchgeführt wurden.

(6) Bei der Weiterberechnung von Kosten sind grundsätzlich auch umsatzsteuerliche Folgen zu beachten. In der Regel werden grenzüberschreitende Kostenumlagen ohne Umsatzsteuer abzurechnen sein. Allerdings sind auf den Abrechnungen innerhalb der EU die Umsatzsteuer-Identifikationsnummern beider Unternehmen anzugeben. Außerdem ist auf den Übergang der Steuerschuldnerschaft hinzuweisen. In speziellen Fällen, wie beispielsweise bei der Vermietung von Büroflächen gelten abweichende Regelungen.

Autor: Peter Scheller, Steuerberater, Master of International Taxation

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