Besteuerung in den fünf größten Volkswirtschaften der EU

von Peter Scheller (Kommentare: 0)

Es ist unbestritten, dass die Höhe der Ertragsteuern einen wichtigen Standortfaktor für die Wirtschaft darstellt. Häufig wird in der Öffentlichkeit dabei nur auf den Steuersatz geschaut. Daneben spielen aber andere Faktoren eine Rolle, die für die Besteuerungssituation eines Unternehmens von Bedeutung sind. Deshalb sind Untersuchungen zu anderen steuerlichen Rahmenbedingungen häufig viel interessanter als die reine Gegenüberstellung von Steuersätzen.

Im Betriebsberater 47/2014, S. 2839 ff. untersucht Dölker die fünf größten Volkswirtschaften der EU im Vergleich aus der Sicht der Besteuerung von Kapitalgesellschaften. Die fünf größten Volkswirtschaften sind – gemessen – am Bruttoinlandsprodukt Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien. Die Ergebnisse sind höchst interessant.

Steuersätze

Der reine Vergleich von Körperschaftsteuersätzen ist irreführend, denn in Deutschland, Frankreich und Italien werden neben der Körperschafsteuer weitere Ertragsteuern auf nationaler oder lokaler Ebene erhoben. In Deutschland sind dies beispielsweise der Solidaritätszuschlag und die Gewerbesteuer. Insgesamt bietet Großbritannien den niedrigsten Gesamtsteuersatz (20% ab 2015).

Verlustvor- und -rückträge

Außer in Großbritannien ist die Verlustberücksichtigung betragsmäßig in allen anderen untersuchten Staaten beschränkt. Italien und Spanien lassen keinen Verlustrücktrag zu. Der Verlustvortrag ist zeitlich in Frankreich (auf 5 Jahre) und in Spanien (auf 18 Jahre) beschränkt. Die übrigen Staaten lassen einen zeitlich unbegrenzten Verlustvortrag zu; Deutschland und Italien aber betragsmäßig begrenzt.

Abzugsfähigkeit von Forschungs- und Entwicklungskosten

Alle Staaten, außer Deutschland, gewähren steuerliche Förderungen von FuE-Kosten in Form von Steuergutschriften oder Abzügen von der steuerlichen Bemessungsgrundlage. In Deutschland ist die Förderung auf direkte Subventionen und Fördermaßnahmen beschränkt. Eine steuerliche Förderung gibt es nicht.

Regeln zur Bekämpfung von Steuervermeidung

Gerade im internationalen Kontext ist es von besonderer Bedeutung, welche Regelungen in Bezug auf die Bekämpfung der Steuervermeidung es im jeweiligen Staat gibt. Im Einzelnen untersucht Dölker folgende Regelungen in den einzelnen Staaten:

  • Verrechnungspreisregelungen
  • Begrenzung der Abzugsfähigkeit von Zinsaufwendungen
  • Hinzurechnungsbesteuerung / CFC-Regelungen (Controlled Foreign Company Rules)

Ertragsbesteuerung von Dividenden auf Ebene der Anteilseigner

Dividenden von natürlichen Personen als Anteilseignern werden in allen Staaten besteuert. Die höchste Gesamtsteuerbelastung aus der Zusammenrechnung von Gesellschaft und Gesellschafter hat Frankreich, Großbritannien die niedrigste. Die drei anderen Staaten liegen fast gleichauf im Mittelfeld.

Hinweise:

  1. Weitere ertragsteuerliche Folgen sind natürlich auch zu beachten, wie beispielsweise die so genannte Exitbesteuerung; das heißt die steuerlichen Auswirkungen bei Verkauf der Geschäftsanteile oder Aufgabe des Betriebes.
  2. Natürlich spielen, je nach Fallgestaltung, andere steuerliche Regelungen eine Rolle. Dies sind beispielsweise Grunderwerbsteuer, Erbschaft- und Schenkungsteuer, besondere Verbrauchsteuern etc.
  3. In einigen Staaten gibt es Steuerkonzepte, die in Deutschland unbekannt sind. Ein Beispiel ist die Dienstleistungsimportsteuer in Brasilien.
  4. Aus steuerplanerischer Sicht ist auf Folgendes hinzuweisen. Viele ausgefeilte Steuergestaltungen stehen tendenziell nur großen Unternehmen oder Unternehmensgruppen zur Verfügung. Je kleiner ein Unternehmen, umso eher wird eine Auslandsgestaltung an den hohen Implementierungskosten und dem nicht zu unterschätzenden laufenden Aufwand der Aufrechterhaltung entsprechender Strukturen scheitern.

Autor: Peter Scheller, Steuerberater – Master of International Taxation

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