Domizilgesellschaften im Umsatzsteuerrecht angekommen

von Peter Scheller (Kommentare: 0)

Der Begriff der Domizilgesellschaft spielt seit Jahrzehnten im internationalen Ertragsteuerrecht eine feste Rolle. Es geht dabei um Gesellschaften ohne wesentliche wirtschaftliche Substanz am statuarischen Sitz der Gesellschaft.  Häufig befindet sich an der Geschäftsadresse nur der Briefkasten in der Kanzlei einer Rechtsanwaltskanzlei in einer Steueroase. Deshalb nennt man diese Gesellschaften auch Briefkastengesellschaften.

Nun ist der Begriff der Domizilgesellschaft auch im Umsatzsteuerrecht angekommen. Dabei geht es regelmäßig darum, ob die Gesellschaft in einer Steueroase als dort ansässig anzusehen ist. Die Oberfinanzdirektion Karlsruhe hat durch Verfügung vom 25.09.2013 hierzu wie folgt Stellung genommen:

Bei Domizilgesellschaften ist davon auszugehen, dass sich der Ort der Geschäftsleitung nicht am Sitz der Domizilgesellschaft befindet. Daher kann der Leistungsort nicht nach dem Sitz der Domizilgesellschaft bestimmt werden. Sofern der leistende Unternehmer nicht nachweisen kann, von wo aus der Leistungsempfänger sein Unternehmen betreibt, ist davon auszugehen, dass der Ort der Leistung im Inland liegt.

Diese in der Praxis schwer zu widerlegende Vermutungsregel wird insbesondere deutsche Reparatur- und Verarbeitungsbetriebe und Werften treffen, deren Auftraggeber Gesellschaften mit Sitz auf den einschlägig bekannten Inselgruppen sind. Die Regelung führt dazu, dass im Inland ausgeführte Ver- oder Bearbeitungen an solche Unternehmen hier steuerpflichtig werden können.

Autor: Peter Scheller, Steuerberater – Master of International Taxation

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 1 plus 9.