E-Commerce, Versandhandel und die Logistik

von Peter Scheller (Kommentare: 0)

Der Internethandel hat in den letzten Jahren in einem rasanten Ausmaß zugenommen. In Online-Shops bieten Handelsunternehmer aller Art ihre Waren zum Direktversand an. Die Logistikbranche, insbesondere Paketdienste, muss sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Beim Internethandel müssen allerdings einige steuerliche Besonderheiten beachtet werden. In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit den Versandhandelsregelungen des Umsatzsteuerrechts.

Die rasante Zunahme von Versandhandelsgeschäften durch Online-Bestellungen wird dazu führen, dass Handelsunternehmen bei Direktlieferungen in andere EU-Mitgliedsstaaten die Versandhandelsregelungen beachten müssen. Diese kommen grundsätzlich nur dann zur Anwendung, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Bei den Abnehmern handelt es sich um Privatpersonen, Unternehmer, die keine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr) verwenden oder sonstige Organisationen. In der Folge sprechen wir zusammenfassend nur noch von Privatpersonen.
  • Die Lieferschwelle für das jeweilige Land wird überschritten. Diese Schwelle bezieht sich nur auf die vorgenannten Abnehmer.

Unternehmen, die ihre USt-IdNr verwenden, fallen nicht unter diese Regelung.

Sofern die Lieferschwelle des jeweiligen EU-Mitgliedsstaates nicht überschritten wird, müssen Lieferungen an Privatpersonen in das jeweilige Land mit deutscher Umsatzsteuer abgerechnet werden. Wird die Lieferschwelle des jeweiligen Bestimmungslandes überschritten, ist die Lieferung in diesem Land zu besteuern. Ab diesem Moment entfällt die Steuerpflicht in Deutschland. Im Folgejahr ist bereits der erste Umsatz in diesem Bestimmungsland dort steuerpflichtig. Maßgeblich für die Bestimmung des jeweiligen Umsatzes sind die Netto-Entgelte (ohne Umsatzsteuer).

Werden die Versandhandelsregelungen nicht beachtet, ergeben sich folgende Auswirkungen:

Wird auf Umsätze, die aufgrund des Überschreitens der jeweiligen Lieferschwelle in Deutschland nicht mehr steuerbar sind, weiter deutsche Umsatzsteuer berechnet, ist diese Steuer zu Unrecht in Rechnung gestellt. Diese Steuer muss an das Finanzamt abgeführt werden. Eine Berichtigung der Umsatzsteuer erfolgt erst dann, wenn die Rechnungen berichtigt werden. Die Berichtigung kann durch schriftliche Erklärung erfolgen, aus der klar hervorgeht, auf welche Rechnungen sich die Berichtigung bezieht. Ferner muss das Handelsunternehmen den Zugang der Berichtigungserklärung beim Kunden nachweisen. Die Berichtigung ist also mit einem nicht unerheblichen administrativen Aufwand verbunden. Dieser ist umso größer, je geringer der Wert der einzelnen Lieferung und je größer damit die Anzahl der zu berichtigenden Rechnungen ist.

Entsprechende Umsätze sind im jeweiligen Bestimmungsland steuerpflichtig. Die Rechnungen müssen mit ausländischer Umsatzsteuer abgerechnet werden. Besonderheiten in Bezug auf Pflichtangaben auf den Rechnungen sind zu beachten. Im Ausland müssen entsprechende Umsätze gemeldet und die Steuern gezahlt werden. Besondere Nachweis- und Dokumentationsvorschriften sind zu beachten.

Bei Nichtbeachtung der steuerlichen Pflichten im jeweiligen Bestimmungsland drohen dort Straf- und Bußgelder. Außerdem ist zu beachten, dass das Unternehmen auch in Deutschland straf- oder bußgeldrechtlich belangt werden kann. Die Hinterziehung oder leichtfertige Steuerverkürzung von Umsatzsteuer in einem anderen EU-Mitgliedsstaat stellt auch in Deutschland eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit dar.

Hinzuweisen ist darauf, dass Unternehmer im Rahmen der Intrastad-Meldung meldepflichtig wird, wenn sie Waren im Wert von mehr als € 500.000 im Vorjahr in einen anderen EU-Mitgliedsstaat versendet haben.

Derzeit gelten folgende Liefer- und Erwerbsschwellen:

Mitgliedstaat Lieferschwelle ** Erwerbsschwelle **
Belgien 35.000,00 Euro 11.200,00 Euro
Bulgarien 70.000,00 BGN 20.000,00 BGN
Dänemark 280.000,00 DKK 80.000,00 DKK
Deutschland 100.000,00 Euro 12.500,00 Euro
Estland 35.151 Euro 10.226,00 Euro
Finnland 35.000,00 Euro 10.000.00 Euro
Frankreich 100.000,00 Euro 10.000,00 Euro
Griechenland 35.000,00 Euro 10.000,00 Euro
Irland 35.000,00 Euro 41.000,00 Euro
Italien 35.000,00 Euro 10.000,00Euro
Lettland 24.000,00 LVL 7.000,00 LVL
Litauen 125.000,00 LTL 35.000,00 LTL
Luxemburg 100.000,00 Euro 10.000,00 Euro
Malta 35.000,00 Euro 10.000,00 Euro
Niederlande 100.000,00 Euro 10.000,00 Euro
Österreich 35.000,00 Euro 11.000,00 Euro
Polen 160.000,00 PLN 50.000,00 PLN
Portugal 35.000,00 Euro 10.000,00Euro
Rumänien 118.000,00 RON 34.000,00 RON
Schweden 320.000,00 SEK 90.000,00 SEK
Slowakei 35.000,00 Euro 13.941,45 Euro
Slowenien 35.000,00 Euro 10.000,00 Euro
Spanien 35.000,00 Euro 10.000,00 Euro
Tschechien 1.140.000,00 CZK 326.000,00 CZK
Ungarn 8.800.000,00 HUF 2.500.000,00 HUF
Vereinigtes Königreich 70.000,00 GBP 70.000,00 GBP
Zypern 35.000,00 Euro 10.251,00 Euro

**) Quelle: nicht amtliche Veröffentlichung der EU-Kommission, Stand März 2012

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