Hilfe für Geschäftsführer und Führungskräfte – Die 10 größten Zollrisiken

von Autorenteam (Kommentare: 0)

Prüfungen der Zollbehörden sind vielschichtig. Sie bieten nicht nur Risiken für das geprüfte Unternehmen. Auch Geschäftsführer und leitende Angestellte in bestimmten Positionen sehen finanzielle und rechtliche Risiken ausgesetzt. Die nachfolgenden FAQ geben einen ersten Überblick über Zollrisiken.

(1) Wo liegen die größten finanziellen Risiken für das Unternehmen?

Das wesentliche Risiko liegt in Nachforderungen der Zollbehörden. Dies sind in der Regel Zölle und die Einfuhrumsatzsteuer. Besonders dramatisch wird es, wenn Antidumpingzölle festgesetzt werden.

Wird die Nachforderung erst im Rahmen einer Zollprüfung festgestellt, fallen Zinsen in Höhe von 6% pro Jahr an.

Bei Verstößen drohen Bußgelder und Geldstrafen.

(2) Welche weiteren Risiken drohen?

Bei schweren oder wiederholten Verstößen droht der Widerruf von Bewilligungen und Erlaubnissen, was existenzbedrohend sein kann.

Daneben kann man leicht in den Fokus der Bußgeld- und Strafsachenstelle, im Extremfall auch der Zollfahndungsdienste oder Staatsanwaltschaften geraten.

In jeden Fall sind langandauernde und schwierige Zollprüfungen nervenaufreibend und verursachen einen erheblichen Aufwand.

(3) Welche Risiken drohen außerhalb der Zollprüfung?

Es kommt vor, dass Fehler im Anmelde- oder Abfertigungsverfahren gemacht werden. Fehlerquellen können die eigenen Arbeitnehmer aber auch externe Dienstleister (Spediteure, Frachtführer, Lagerhalter, Zolldeklaranten) sein.

Aus- oder eingehende Waren werden vom Zoll beschlagnahmt oder die Abfertigung wird verzögert. Das kann zu erheblichen Problemen mit Lieferfristen oder Produktionsabläufen führen.

(4) Wann kommt der Zollprüfer?

Bei größeren Unternehmen oder solchen mit vielen oder kritischen Ein- und Ausfuhren kommt der Prüfer häufig alle drei Jahre.

Daneben gibt es Anlassprüfungen, wenn Zollbehörden Unregelmäßigkeiten vermuten oder sie entsprechende Mitteilungen oder Anfragen von anderen Behörden erhalten haben?

Prüfungen werden anberaumt, wenn die Risikobeurteilung des Zolls beispielsweise im System der Zentralstelle Risikoanalyse dies indiziert.

(5) Was ist DEBBI?

In der Dezentralen Beteiligten Bewertung verteilt der Zoll Noten zwischen 1 und 3. Eine hohe Risikoeinstufung (Note 3) führt zu verstärkten Kontrollen und Prüfungen.

Die Bewertung kann man erfragen und bei Fehleinschätzung gegen sie vorgehen.

(6) Welches sind die Prüfungsschwerpunkte des Zollprüfers?

Ein Prüfer prüfen Tarifierung, Zollwerte, Ursprungs- und Präferenznachweise sowie Bewilligungen und Zollverfahren.

Ein wesentlicher Teil liegt in der Analyse digitaler Daten, von Papierdokumenten und der ordnungsgemäßen Archivierung.

Daneben prüft er Ordnungsmäßigkeit der Buchhaltung und die wirtschaftliche Lage des Unternehmens.

(7) Was prüft der Zoll sonst noch?

Die gefährlichste Prüfung ist die Außenwirtschaftsprüfung, weil hier Arbeitnehmer und Führungskräfte bei Verfehlungen persönlich haften und strafrechtlich verfolgt werden können.

Weitere Prüfungen sind Präferenzprüfungen, Verbrauchsteuerprüfungen sowie Prüfungen nach dem Schwarzarbeits- oder Mindestlohngesetzes.

(8) Welche besonderen Risiken drohen für Geschäftsführer und andere Führungskräfte?

Geschäftsführer und Führungskräfte müssen große Nachzahlungen gegenüber Aufsichtsräten, Gesellschaftern und anderen Geldgebern verantworten.

Bei Verfehlungen drohen Bußgelder für Führungskräfte, Arbeitnehmer oder das Unternehmen.

Unterstellen die Zollbehörden einen Vorsatz, führen Verfehlung schnell zur Eröffnung eines Strafverfahrens. Bei Verfehlungen in der Exportkontrolle werden Strafverfahren schnell eröffnet.

(9) Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Finanz- und Zollbehörden aus?

Die Zollprüfer achten auch auf steuerlich relevante Sachverhalte. Dies gilt vorzugsweise für die Umsatzsteuer. Entsprechende Kontrollmitteilungen sind nicht selten.

Bei den Steuerprüfern ist das Risiko geringer, weil diese in der Regel wenig vom Zollrecht verstehen. Allerdings unternimmt die Finanzverwaltung Anstrengungen, die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen Zoll- und Steuerprüfern zu intensivieren.

Weiter zunehmen wird auch der Informationsaustauch mit ausländischen Finanz- und Zollverwaltungen.

(10) Welche Informationen brauche ein Geschäftsführer von seinen Mitarbeitern?

Im Vorfeld sollte man sich über interne Prozesse und Kontrollen unterrichten lassen.

Erkannte Unregelmäßigkeiten in Zollverfahren oder Verletzungen von Bewilligungsauflagen sollten immer sofort der Geschäftsführung oder der verantwortlichen Führungskraft gemeldet werden.

Im Rahmen einer Zollprüfung ist über den Verfahrensstand und mögliche Feststellungen zu unterrichten.

Wichtig ist auch, über vom Prüfer angeordnete Auflagen und deren Fristsetzungen unterrichtet zu werden.

Autoren: Peter Scheller, Steuerberater – Master of International Taxation, www.scheller-international.com / Susanne Zaczek, Zollexpertin, www.zoll-service-kiel.de

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