Zollrechtliche Beratung durch den Steuerberater

von Autorenteam (Kommentare: 0)

Häufig informieren Mandanten ihre Steuerberater nicht über zollrechtlich relevante Vorgänge. Damit fällt es dem Steuerberater auch schwer, den Mandanten in Zollsachen zu beraten. Der Steuerberater, der die Finanzbuchhaltung für seine Mandanten erstellt, kann aber aufgrund von Buchhaltungsunterlagen häufig erkennen, dass zollrechtlich relevante Vorgänge vorliegen. Dieses gilt selbst dann, wenn ihm die Zollbelege nicht vorgelegt werden.

Anhand folgender Indizien kann er Zollverfahren erkennen:

Einfuhr (Import)

Da der Mandant regelmäßig die Einfuhrumsatzsteuer als Vorsteuer abziehen oder sich vergüten lassen möchte, wird er regelmäßig auch Interesse daran haben, den Abgabenbescheid zur Verbuchung einzurechen.

Erkennt der Steuerberater beispielsweise anhand der Eingangsrechnung, dass ein Verbringen in die EU vorliegt, ohne das Einfuhrumsatzsteuersteuer gezahlt wurde, kann dies an Folgendem liegen: Der Gegenstand ist in die vorübergehende Verwahrung überführt worden. Diese darf bei Landtransporten 21 Tage und bei Seetransporten 45 Tage betragen. Vor Ablauf der Frist muss die Ware in ein anderes Zollverfahren überführt sein.

Ausfuhr (Export)

Die Ausgangsrechnungen werden hier regelmäßig ohne Umsatzsteuer erstellt. Außerdem ist der Mandant verpflichtet, auf den Grund der Steuerbefreiung – hier also die Ausfuhr – hinzuweisen. Hier kann man ohne Zollpapiere als Steuerberater erkennen, dass ein Ausgangsvermerk vorliegen sollte. In der Regel muss der Mandant zum Nachweis über diesen Ausgangsvermerk verfügen, weil ansonsten die Steuerfreiheit durch die Finanzbehörden versagt werden könnte.

Gemeinschaftliches Versandverfahren (T1-Verfahren)

In diesem Verfahren wird Nichtgemeinschaftsware unter Zoll- und Steueraussetzung gegen Sicherheitsleistung im Gemeinschaftsgebiet (EU) befördert oder versendet. Der Steuerberater kann dies daran erkennen, dass er eine Einfuhrrechnung eingereicht erhält, ohne dass ihm ein Einfuhrabgabenbescheid vorliegt. Einfuhrrechnungen sind immer dann leicht zu erkennen, wenn auf der Rechnung die Herkunft der Ware aus dem Drittland vermerkt ist. Ergibt sich dies nicht aus der Rechnung, sind weitere Indizien ein Lieferant aus dem Drittland. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch Lieferbedingen (Incoterms). So wird beispielsweise DDP (Delivered Duty Paid) innerhalb der EU fast nie verwendet. Weiteres Indiz wäre eine Präferenzerklärung, weil in dieser explizit das Herkunftsland steht.

Gleiches gilt für das gemeinsame Versandverfahren, das für Warenlieferungen zwischen einem EFTA-Staat und einem EU-Staat gilt.

Aktive Veredelung

Hierbei werden Gegenstände zoll- und abgabenfrei zur Reparatur bzw. Bearbeitung unter zollamtlicher Überwachung in die EU eingeführt. Nach Bearbeitung oder Reparatur werden diese Gegenstände in der Regel wieder ausgeführt. Der Verarbeitungsbetrieb wird eine Rechnung über Lohn- und Materialbestandteile ohne Umsatzsteuer erstellen. Um die Abgabenfreiheit und Steuerfreiheit der Leistung zu gewährleisten, muss der Betrieb den Nachweis über einen Ausgangsvermerk führen. Wird das Verfahren nicht ordnungsgemäß beendet, werden die Zollbehörden einen Abgabenbescheid erlassen, mit dem ggf. Zoll und Verbrauchsteuern, auf jeden Fall aber Einfuhrumsatzsteuer auf den Endwert nach der Reparatur erhoben wird. Gerade in diesen Fällen kann der Steuerberater aufgrund der Reparatur- oder Verarbeitungsrechnung erkennen, dass zollrechtlich das Verfahren abgeschlossen werden muss.

Fazit

Steuerberater können durchaus die wesentlichen zollrechtlich relevanten Transaktionen ihrer Mandanten erkennen. Dies gilt zumindest dann, wenn sie für ihre Mandanten die Finanzbuchhaltung erstellen. Deutlich schwieriger wird dies, wenn die Finanzbuchhaltung durch den Mandanten selbst erstellt wird. Dann gibt es für den Steuerberater nur die Möglichkeit, nach dem Vorliegen entsprechender Vorgänge zu fragen. Auf jeden Fall gibt es hier ein Beratungsansatz für die Steuerberater.

Autoren: Susanne Zaczek, Zollagentin, www.zoll-service-kiel.de und Peter Scheller, sybo AG, www.sybo-ag.de

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